Sunday, January 15, 2006

Kulturrelativismus

Der klassische Kulturrelativismus wurde von Franz Boas und seinen Studenten, die sich deutlich vom Evolutionismus abgrenzten gegründet. Weitere Vertreter dieser Zeit waren Westermark und Herskovits. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Kulturrelativismus das dominante Paradigma der amerikanischen Anthropologie. Hierbei spielt der Holismus eine wichtige Rolle, das heißt die Auffassung von fremden Kulturen als ein Ganzes. Jede Kultur soll aus sich selbst heraus verstanden werden. Und es gibt keinen allgemeinen Maßstab zum beurteilen von Kulturen. Weiters wird von den Vertretern auch die Reichhaltigkeit von Kulturen betont, die allgemein als “primitiv“ bezeichnet wurden. Einige (auch Boas) verwendeten die relativistische Ideologie sogar um gegen Rassismus, Antisemitismus und nationalen Glaubensfanatismus zu argumentieren

Franz Boas: (1858 – 1942)

Einige Werke: „The central Eskimo“

„Anthropology and modern life“

„The mind of primitive Man“

Franz Boas wurde 1858 in Westphalia geboren und war alles andere als ein „armchair-Anthropologe“. Insgesamt unternahm er zwölf Feldforschungen. Seine erste führte ihn 1883 auf die Baffin Islands zu den Inuit. Er lernte ihre Sprache und ging mit ihnen auf die Jagd. Umwelt spielte in seiner Forschung eine wichtige Rolle, er entwickelte auch den Begriff Umweltdeterminismus (wie beeinflusst mich meine Umwelt). Aber für das Verhalten der Menschen ist Kultur wichtiger als Umwelt

1895 unternahm er eine Reise zu dem Kwakiutel Indianern. Morgan nahm von Wildbeutern an, dass sie ständig ums Überleben kämpfen müssen, Boas fand aber eine andere Situation vor. Die Kwakiutel Indianer wohnen in festen Holzbauten, haben Bootwesen und eine hoch entwickelte Schnitzkunst. Weiters untersuchte er bei ihnen das soziale Phänomen „Potlatch“

Wenn von Boas Erbe die Rede ist, ist damit das „four-field-approach“ gemeint.

Er teilt ein in:

1. Physische Anthropologie

2. Archäologie

3. Linguistik

4. Sozial- und Kulturanthropologie

Ein weiter Ausdruck von Franz Boas ist Kulturareal, darunter versteht er Gebiete von kultureller Ähnlichkeit. Nordamerika teilte er in sieben Kulturareale ein.

1. Generation nach Boas: Kröber

Sapir

Lowie

2. Generation nach Boas: Mead

Benedict

Boas bildete die erste und die zweite Generation nach ihm selbst aus. Kröber, Sapir und Lowie bauten alle auf Boas auf und führten sogar seine tribalen Studien an der amerikanischen Nord- West Küste fort. Sapir, Mead und Benedict gründeten die Culture and Personality School. Benedict und Mead, die wohl populärsten amerikanischen Anthropologinnen übernahmen beide viel von Sapir, den Gründer der linguistischen Relativitätstheorie (er führte Boas Arbeiten im Bereich Sprache fort)

Neben ihrer Nationalcharakterstudie über die Japaner, den Kriegsgegner von Amerika ist wohl „Patterns of Culture“ (1934) eines der bekanntesten Bücher von Bruce Benedict. Darin vergleicht sie drei Völker miteinander:

1. Zunis (New Mexico)

2. Kwakiutel (von Boas studiert)

3. Dobuans ( Melanesien)

Während für die Zunis Harmonie und Mäßigung, herrscht bei den Dobuans starkes Konkurensstreben und die Kwakiutel bezeichnet sie sogar als größenwahnsinnige Verschwender ( Potlatch). Sie kommt zu dem Schluss, dass das was in einer Kultur “normal“ ist bei anderen Kulturen durchaus als verrückt gelten kann. Folglich definiert sie den Normalitätsbegriff neu.